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Sinn und Zielsetzung

 

„Im Gedenken an Jesu

Leiden und Sterben –

die Not und das Leiden

von Menschen heute mit

anderen Augen erkennen.

Auf-Stehen in seinem

Namen.

Auf-Erstehen mit ihm".

Mit diesen Worten auf dem Flyer, der alljährlich zum Ökumenischen Zürcher Kreuzweg am Karfreitag einlädt, sind Sinn und Zielsetzung dieses besonderen Weggottesdienstes umschrieben.

Es geht nicht um eine masochistische Verherrlichung von Leiden, sondern um Anteilnahme und Solidarität. Der Märtyrer der Hitlerzeit, Dietrich Bonhoeffer, hat dies mit den Worten ausgedrückt: „Christen stehen bei Gott in seinen Leiden.“

Am Karfreitag 1995 fand in Zürich der 1. Ökumenische Zürcher Kreuzweg statt. Die Initiative dazu ging von einem evangelisch-reformierten Pfarrer aus und wurde von seinen katholischen, christkatholischen und reformierten Kollegen sofort aufgenommen. Pfarrer Gerhard Traxel hatte in der reformierten Kirche Zürich-Witikon schon seit mehreren Jahren zusammen mit Geistlichen verschiedener Konfessionen am Karfreitag-Nachmittag eine ökumenische Karfreitags-Liturgie gefeiert. Aus dieser wuchs der Kreuzweg im Zürcher Stadtzentrum heraus, der von den Pfarrern Anselm Burr (ref., St. Jakob), Franz Stampfli (röm.-kath., St. Peter und Paul) sowie Georg Ebner (christkath., Augustinerkirche) mitgetragen wurde.

Von Anfang an waren auch die orthodoxen Kirchen (gr.-orth., russ.-orth. und serb.-orth.) mit dabei. Schon bald kamen die evangelisch-methodistische Kirche und die Heilsarmee als Vertreter der evangelischen Freikirchen, sowie die evangelisch-lutherische Kirche dazu.

Dieser Weggottesdienst unter freiem Himmel vereint heute Menschen der verschiedensten konfessionellen, nationalen und politischen Hintergründe. Symbolträchtige Orte im Stadtzentrum wie das Rathaus, der Paradeplatz als Finanzzentrum, der Sitz der Fremdenpolizei, das Obergericht, das Universitätsspital und die historischen Altstadtkirchen werden als Halte-Stationen ausgewählt und mit besonderen Leidens-Dimensionen unserer Zeit verbunden. Jede der fünf bis acht Stationen wird durch einen einfachen rituellen Ablauf gestaltet. Nach einer Lesung aus der Passionsgeschichte Jesu, Stille und Gongschlag lenken Sprecher den Blick auf das, was Menschen heute leiden lässt.

Neben Geistlichen der verschiedenen Konfessionen haben auch die frühere Zürcher Stadträtin Monika Stocker, die vom Fernsehen bekannte Dominikaner-Ordensschwester Ingrid Grave sowie Maria Becker, Denise Biellmann, Doris Fiala, Fredi Müller, Sandra Studer und Peter Zeindler schon die Voten gesprochen. Diese entbehren oft nicht einer besonderen sozialen und politischen Brisanz. Der Radiomoderator Andreas Müller-Crépon trägt seit Jahren die Passionslesungen vor. Mit Fürbitten und Kyrie-Eleison-Gesang schliesst jeweils der kurze Stationen-Halt.

Von verschiedenen Teilnehmenden wird ein schweres Holzkreuz von Station zu Station dem Zug voran getragen. Zwischen 800 und 1'000 Menschen gehen jährlich diesen Weg mit, der in einer der Altstadtkirchen beginnt und auch wieder in einer solchen mit dem symbolischen Ausblick auf Ostern endet.

Die Repräsentanten der christlichen Konfessionen, wie die Vertretung des reformierten Zürcher Kirchenrates, der römisch-katholische Weihbischof, der christkatholische Bischof und ein orthodoxer Erzbischof sind in der Regel mit dabei.

In diesem Jahr findet die 18. ökumenische Karfreitags-Prozession am 06. April 2012 statt.

 

last modified 2012-01-10

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